Neues aus der Vermögens­verwaltungs­werkstatt

Einmal im Monat informieren wir Sie hier kurz und knapp über die wichtigsten Entwicklungen auf den Märkten.

14.06.2021

Nachdem die US-Verbraucherpreise schon im April mit einem kräftigen Anstieg deutlich die Erwartungen übertroffen hatten, setzten sie im Mai noch eins drauf. So legte der Headline-Index im Monatsvergleich mit +0,6% erneut kräftiger zu als von Konsensschätzungen prognostiziert, und auch bei der Jahresrate fiel das Plus mit +5,0% (nach +4,2%) größer aus als vom Durchschnitt der Analysten vorhergesagt. Die Verbraucherpreise der sogenannten  Kernreihe (ohne Energie und Nahrungsmittel) erreichten den höchsten Stand seit 29 Jahren.

Die treibenden Kräfte des Teuerungsschubs im Mai waren im Wesentlichen dieselben Sektoren wie im Vormonat, nämlich diejenigen, die am stärksten von der schrittweisen Öffnung der Wirtschaft profitieren. So verteuerten sich z.B. Flugreisen um 7,0% (nach +10,2%), Tickets für Sport- und Kulturveranstaltungen um +0,4% (nach +3,4%) und Hotelübernachtungen ebenfalls um +0,4% (nach +8,8%). Daneben setzten sich die engpassbedingten Preissteigerungen fort, die an prominenter Stelle bei Gebrauchtwagen sichtbar werden. Hier zogen die Preise um 7,3% an, nachdem schon im April mit +10,0% das grösste Monatsplus in dieser bis 1953 zurückreichenden Datenreihe markiert wurde. Zweifelsohne werden diese teuerungstreibenden Faktoren im Laufe der kommenden Monate an Kraft verlieren. Wenn beispielsweise die Preise von Flugtickets das Ausgangsniveau wieder erreicht oder leicht überschritten haben, dürfte der Inflationsdruck von dieser Seiter nachlassen. Bei den Gebrauchtwagenpreisen sind sogar leicht sinkende Preise plausibel, sobald das Angebot mit einer gewissen Zeitverzögerung wieder  ausgeweitet worden ist.
Diese Aussicht auf bald schon wieder nachlassenden Teuerungsdruck bei gewissen Komponenten der Lebenshaltungskosten sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es andere Bereiche gibt, in denen sich der Inflationsdruck gerade erst aufzubauen beginnt, und dass dieser Preisschub in den kommenden Monaten immer größer wird.

Die Inflationsängste der Kapitalmarktinvestoren erfuhren dadurch aber keinen zusätzlichen Schub. Im Gegenteil, bei diesem Thema macht sich immer mehr Gelassenheit breit. Die stereotyp wiederholte Botschaft der Notenbanker, dies- und jenseits des Atlantiks, wirkt an den Märkten wie ein Opiat: Die aktuellen Preissteigerungen seien nur temporärer Natur. Entsprechend müsse an der ultraexpansiven Geldpolitik nicht gerüttelt werden. Die Leitzinserhöhungserwartungen haben sich in Anbetracht dessen wieder zurückgebildet. In den USA sind geldpolitische Straffungen im Jahr 2022 so gut wie ausgepreist und in den Folgejahren wird inzwischen nur noch mit zwei Leitzinserhöhungen (um 25 Bp) pro Jahr gerechnet. In der Eurozone ist gleichzeitig frühestens für Ende 2023 eine Mini-Leitzinserhöhung eskomptiert (von -0,50% auf -0,40%).

Bei den Investoren stand die Freude über die anhaltend expansive Geldpolitik im Vordergrund. Dies machte sich auch ausserhalb der Staatsanleihenmärkte, die sich in Folge der Notenbankentscheidungen einer größeren Nachfrage erfreuten, bemerkbar. So verteidigten in der zweiten Juni Woche die Aktienbörsen nicht nur die Niveaus der Vorwoche, sondern verbuchten reihenweise neue Rekordstände. (unter anderem S&P500, DAX, MDAX, SMI). Dies schlug sich auch in einem neuen Gipfel des MSCI World nieder. Darüber hinaus verzeichneten die übrigen Anleihensegmente ebenfalls Kursgewinne. In der Folge engten sich die Risikoaufschläge gegenüber Staatsanleihen in der Tendenz weiter ein. Der Spread von US-High-Yields erreichte mit 333 Bp ebenso einen neuen zyklischen Tiefststand wie das Pendant aus Europa, das erstmals seit drei Jahren die 300-Bp-Marke unterschritten hat.