Neues aus der Vermögens­verwaltungs­werkstatt

Einmal im Monat informieren wir Sie hier kurz und knapp über die wichtigsten Entwicklungen auf den Märkten.

06.12.2021

Omikron, heißt das neue Schreckgespenst an den Finanzmärkten. Der Vorstandsvorsitzende des Impfstoffherstellers Moderna Stéphane Bancel schockte, vergangene Woche Montag die Marktteilnehmer mit Aussagen, die Wirksamkeit der aktuellen Impfstoffe gegen die neue Virusvariante sei erheblich eingeschränkt. Bis ein neues, angepasstes Vakzin zur Verfügung stünde, würde es vermutlich bis Ende des 1. Quartals 2022 dauern. Die Sorgen vor einem erneuten Aufflammen der Pandemie belasteten die Aktienmärkte, insbesondere da sich anhand der Entwicklung in Südafrika zu bestätigen scheint, dass Omikron erheblich infektiöser ist als die Delta-Variante. Allen voran kam der DAX unter Druck. Er notierte zwischenzeitlich nur noch knapp oberhalb von 15.000 Punkten.
Die nächste Belastungsprobe für die Aktienmärkte folgte am Dienstag. Während einer Anhörung vor dem US-Kongress gab Fed-Präsident Jerome Powell zu Protokoll, es sei an der Zeit, die Charakterisierung des aktuellen Inflationsschubs als »vorübergehend« ad acta zu legen. Die US-Notenbank gibt damit ihr seit Beginn der Pandemie gepredigtes Mantra eines vorübergehenden Anstiegs der Teuerungsrate offiziell auf und zugleich zu, dass die Gefahr eines nachhaltigen Überschießens des eigenen Inflationsziels nicht mehr kleingeredet werden kann. Zugleich stellte Powell, trotz Omikron-Risiken, eine beschleunigte Rückführung der Anleihekäufe (Tapering) in Aussicht. Diese könnten bereits im Frühjahr 2022 komplett eingestellt werden, und nicht, wie bisher avisiert, zur Jahresmitte. Leitzinsanhebungen wären damit noch früher möglich als bisher unterstellt.

Kaum hatten sich die Aktienmärkte zur Wochenmitte dann wieder etwas beruhigt, sorgte die Meldung, die Nachfrage nach Apples aktuellem Verkaufsschlager, dem iPhone 13, bliebe um etwa 10 Mio. Stück hinter den Erwartungen zurück, für den nächsten Rücksetzer. Offenbar haben sich viele Konsumenten dazu entschlossen, sich nicht mehr um eines der zurzeit wegen des Chipmangels raren Exemplare zu bemühen, sondern gleich auf die nächste Generation des Smartphones zu warten. Dieses Mal waren es die US-Börsen, die besonders Federn lassen mussten.
Ruhe kehrte auch zum Wochenausklang nicht ein. Eine Vielzahl von Experten geht allerdings davon aus, dass sich die jüngste Schwäche am Aktienmarkt nur als Delle herausstellen wird.

Man könnte nun vermuten, an den Staatsanleihenmärkten müsste die Aussicht auf eine raschere Rückführung der expansiven Geldpolitik in den USA zu steigenden Renditen führen. Zumal auch die Position der EZB, die hohe Inflation in der Eurozone sei nur temporärer Natur, erheblich ins Wanken gerät. So ist nach dem Sprung der Teuerungsrate im gemeinsamen Währungsgebiet auf einen Rekordwert von 4,9% im November inzwischen klar, dass der Verbraucherpreisanstieg auch 2022 weit über dem Zielwert von 2,0% liegen wird. Doch die Vermutung trat bislang nicht ein. Die Rendite 10- jähriger US-Staatsanleihen sackte am Freitag unter 1,40%, bei 10-jährigen Bundesanleihen ging es auf -0,38% nach unten. Die Märkte sehen es also als sehr wahrscheinlich an, dass die amerikanische Notenbank im Lauf des nächsten Jahres damit beginnen wird, den Leitzins nach oben zu schleusen. Auf Sicht der nächsten Wochen spricht einiges für steigende Renditen an den Anleihemärkten.